Ursprung
Ursprung,
Brauchtum und Symbole der Freimaurer gehen auf die mittelalterlichen
Steinmetzbruderschaften zurück. Diese mittelalterlichen Bauleute
mussten frei geboren sein, d.h. frei von Leibeigenschaft und feudaler
Abhängigkeit. Um Dome und Kathedralen errichten zu können,
genossen sie eine für das Mittelalter außerordentlich
seltene Freizügigkeit. Geschützt durch päpstliche
Bulle und zahlreiche Privilegien, gaben sie sich schon früh
eine eigene Berufsordnung. Die Werkstätten der Baumeister,
die auch als Versammlungsort dienten, nannte man "lodge",
in deutscher Übersetzung "Loge". Streng hüteten
die Steinmetze und Maurer die Geheimnisse ihrer Künste.
Als
im 17. Jahrhundert die großen Dombauten allmählich
ein Ende fanden, entwickelte sich neben der "Werkmaurerei"
immer mehr eine "spekulative Freimaurerei". Das bedeutet:
man begann in den Bauhütten auch geistig zu arbeiten, sich
Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Die Bauhütten
bzw. Logen wurden erstaunlicherweise bald auch zum Treffpunkt
für Nicht-Maurer wie z.B. Ärzte, Schriftsteller, Adelige,
Theologen. Durch diese Unterwanderung von anderen Berufsgruppen
wandelten sich die Logen allmählich zu einer mehr geistigen,
d.h. symbolisch bauenden Gemeinschaft.
Vier
solcher Freimaurerlogen schlossen sich 1717 in London zu einer
Großloge zusammen. Dieses Datum gilt heute als Beginn der
Freimaurerei. Bereits 1723 gaben sich die Freimaurer mit den so
genannten "Alten Pflichten" eine Verfassung, die bis
heute Gültigkeit hat. Im 18. Jahrhundert breitete sich die
Freimaurerei über ganz Europa aus. Die erste deutsche Loge
wurde 1737 in Hamburg gegründet. Viele bekannte Persönlichkeiten
der damaligen Zeit, u.a. Künstler, Philosophen und Politiker,
gehörten den Freimaurern an, z.B. Goethe, Herder, Lessing,
Mozart, Friedrich der Große, Voltaire.
Die
Berühmtheit der Genannten gibt bereits einen Eindruck von
der gesellschaftlichen und geistigen Bedeutung der Freimaurerei
in jener Zeit. Als bedeutendste Organisation der deutschen Freimaurer
entstanden die drei preußischen Großlogen (deren einer
fast alle Hohenzollern seit Friedrich dem Großen angehörten).
Grundsätze
und Ziele
Die
Freimaurerei hat das Ziel, ihre Mitglieder durch brüderliche
Gemeinschaft in der Loge, besonders durch die "rituelle Tempelarbeit"
, zu sittlicher und geistiger Vervollkommnung und echter Menschlichkeit
anzuleiten. Die Männner - die Freimaurerei ist ein reiner
Männerbund - sollen sich dann an ihrem Platz in Leben und
Gesellschaft entsprechend verhalten. Die Freimaurer treten für
Freiheit, Menschenwürde, Nächstenliebe, Toleranz und
soziale Gerechtigkeit ein. Sie stehen auch für demokratische
Freiheiten und die Durchschaubarkeit von Machtverhältnissen
ein. In Diktaturen sind sie wegen ihres Eintretens für Geistesfreiheit
verboten. Die Freimaurerei tritt außerdem für die Überwindung
der nationalen und konfessionellen Gegensätze ein.
Ihren
Zielen und ihre Zusammensetzung nach ist die Freimaurerei stets
eine Organisation des liberalen Bürgertums gewesen und auch
bis heute geblieben. In ihrem Kern ist sie ein ethischer Bund,
nicht etwa eine Religion oder Glaubensgemeinschaft. Das Wesen
des Freimaurerbundes besteht in der Einhheit von leitender Idee,
brüderlicher Gemeinschaft und symbolisch-rituellem Erlebnis.
Freimaurer
sind sich bewusst, dass die Werte, zu denen sie sich bekennen,
immer neu belebt und konkretisiert werden müssen. Sie verzichten
jedoch auf politische Programme und gesellschaftliche Utopien.
Die Logen sollen vielmehr die Stätte sein, an der durch Information
und gemeinsames Nachdenken verantwortliches persönliches
Handeln vorbereitet wird.
Die
Logen
Die
einzelnen Freimaurer schließen sich in Logen zusammen, die
wiederum national in Großlogen oder Landeslogen verbunden
sind. Der Weltfreimaurerbund ist der Zusammenschluss einiger,
nicht jedoch aller Logen. An der Spitze einer Loge steht der Logenmeister
("Meister vom Stuhl"); die Großlogen werden durch
Großmeister geleitet. Rund 6 Millionen Logenbrüder
sind in über 130 Ländern in 40 000 Logen organisiert.
Jede
einzelne Loge ist für sich allein selbständig. Sie wählt
jährlich aus ihrer Mitte den Beamtenrat (Meister vom Stuhl
und Stellvertreter, zwei Aufseher und je einen Schriftführer,
Redner und Schatzmeister) und ist für die Aufnahme und Schulung
neuer Mitglieder verantwortlich. Sie unterwirft sich bestimmten
Grundsätzen, nimmt z.B. nur Männer auf und bekennt sich
zur Verschwiegenheit.
Der
Grundsatz der Freimaurerei heißt: "Erkennen durch Erleben".
Die Erkenntnisstufen, die in den Logen durchlaufen werden, werden
durch drei Grade symbolisiert: Lehrling, Geselle und Meister:
"Der Lehrling schaue in sich", "Der Geselle schaue
um sich" und "der Meister schaue über sich".
Während die vor allem in Deutschland verbreiteten, nach dem
Schutzheiligen der Steinmetzen benannten "Johanneslogen"
keine weitere Gradeinteilung kennen, haben die schottischen, nach
dem Schutzheiligen ihres Landes benannten "Andreaslogen"
eine bis zu 33 Graden aufsteigende Hierarchie (Hochgrad-Freimaurerei);
sie sind hauptsächlich in den angelsächsischen Ländern
verbreitet.
Die
Loge ist die Grundlage des freimaurischen Wirkens. Sie ist das
Zentrum der geistigen Arbeit, Ort der Begegnung und Besinnung.
Als Zeichen engster Verbundenheit nennen sich die Freimaurer untereinander
Brüder. Die Freimaurerei ist aus Tradition ein reiner Männerbund.
Am geselligen Leben der Logen nehmen jedoch auch die Familienmitglieder
teil.
Rituale
Zentrum
der freimaurischen Tätigkeit und zugleich Gegenstand der
Spekulationen und Kontroversen sind die mit Schweigen und einem
Geheimnis umgebenen Rituale der Freimaurer in den Stätten
der Zusammenkunft. Das Ritual ist der Versuch, durch das bewusste
Nacherleben einer möglichst präzisen äußeren
Ordnung eine innere Ordnung im Menschen anzuregen. Die rituellen
Arbeiten finden in einem besonders eingerichteten Raum statt,
der nach dem Grundriss des sagenumwobenen Tempels König Salomons
aufgebaut ist und ebenfalls als "Tempel" bezeichnet
wird.
Vom
Westen aus zugänglich, ist der Tempel in der Ordnung der
Himmelsrichtungen klar gegliedert:
Im
Osten ist der Platz des Meisters vom Stuhl als Leiter der Logenarbeit.
Ihm gegenüber sind im Westen die beiden Aufseher platziert,
die mit dem Meister zusammen die rituelle Arbeit durch Rede und
Gegenrede gestalten. Im Norden und Süden befinden sich auf
den Kolonnen (Sitzreihen) die übrigen Logenbrüder.
Weitere
Funktionsträger der Loge sind z.B. der Redner, der mit seinen
Beiträgen die geistige Arbeit anregt sowie der Zeremonienmeister,
der für einen würdigen äußeren Ablauf der
Tempelarbeit sorgt.
Die
"rituellen Arbeiten" der Freimaurer, die ihren Ursprung
in den mittelalterlichen Bauhütten haben, dienen
der
Einführung neuer Mitglieder in die Gemeinschaft
der Vertiefung menschlicher Bindungen innerhalb der Bruderschaft
der Besinnung auf die moralischen Normen des Freimaurerbundes
der Sammlung und Erbauung des einzelnen Bruders
Die feierliche Einrichtung des Tempels sorgt für eine Stimmung,
die entscheidend zur Erlebnisfähigkeit des Einzelnen beiträgt.
Erst das Abschalten vom Alltagsleben und dei Besinnung auf ethische
Ziele erlauben es dem Freimaurer, mit den Werkzeugen "geistigen
Bauens" umzugehen. Das freimaurische Ritual kennt bei der
Beschreibung und Interpretation der Werkzeuge keine vorgefassten
Erklärungen. Jeder Bruder erarbeitet sich seine individuellen
Symbolerklärungen selbst.
Symbole
Symbole
spielen eine wichtige Rolle in der Freimaurerei. Die Interpretation
von Symbolen ist Sache des einzelnen Freimaurers. Es gibt zwar
Anhaltpunkte für die Deutung, aber es besteht keine Vorschrift,
die besagt, dass bestimmte Symbole nur diese oder jene Bedeutung
haben. Die Symbole sind im Wesentlichen aus der Werkmaurerei der
mittelalterlichen Dombauer hervorgegangen.
Jedes
Werkzeug, jedes Gerät im Tempel, hat seine eigene symbolische
Bedeutung, denn Symbole sind anschaulicher und einprägsamer
als Sprache. Symbole wie z.B. Zirkel und Winkelmaß haften
als sinnliche Bilder fest im Gedächtsnis und sind den Freimaurern
aller Rassen und Nationen in gleichem Maße verständlich.
Durch ihre Symbolik gelingt es der Freimaurerei, zu den "Brüdern"
der unterschiedlichsten Nationen in einer Sprache zu reden und
Ihnen ein inneres Erlebnis zu vermitteln, ein Geheimnis, das sich
nur im Bild vermitteln lässt.
Das
Winkelmaß steht für Aufrichtigkeit, Geradheit, Gerechtigkeit,
Recht und Pflicht und für sittliches Handeln allgemein.
Der Zirkel gilt als Instrument der entwerfenden und abwägenden
Intelligenz, aber auch als Symbol der Brüderlichkeit und
des Dienstes am Menschen.
Die Darstellung von Zirkel und Winkel symbolisiert das Gleichgewicht
der geistigen und materiellen Kräfte.
Das Symbol des rauen, unbehauenen Steins steht für den Freimaurer
selbst auf dem Weg zur Vervollkommnung.
Gegenwart
Die
Freimaurer haben heute weltweit etwa 6 Millionen Mitglieder, die
in 40000 Logen arbeiten. In Deutschland wurde die Freimaurerei,
die 1933 ca. 76000 Mitglieder zählte, vom Nationalsozialismus
unterdrückt und verfolgt. Danach lebte sie wieder auf. 1949
schlossen sich 194 Logen mit humanitären Hintergrund in der
Frankfurter Paulskircke zur "Vereinigten Großloge der
Freimaurer von Deutschland" zusammen. Die christliche "Große
Landesloge der Freimaurer von Deutschland" verband sich mit
ihr 1958 in den "Vereinigten Großlogen von Deutschland,
Bruderschaft der deutschen Freimaurer". Diese umfasst etwa
20000 Mitglieder (in den alten Bundesländern).
Das
Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und Freimaurerei
ist auch heute noch gespannt, d.h. zum Beispiel: die gleichzeitige
Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei
ist ausgeschlossen. Mit anderen christlichen Bekenntnissen, z.
B. mit der Evangelischen Kirche, hat die Freimaurerei weniger
Schwierigkeiten.